1958

1959

1960

G.I. Blues

                                                              

8. Januar 1960  

Elvis feiert seinen 25. Geburtstag. Der erste Gratulant am Morgen ist der junge Bad Nauheimer Fan Claus Kurt Ilge, der ihm bereits um 7.00 Uhr vor der Garage die Glückwünsche überbringt. Elvis schien überrascht und sagte: "Hello, my little friend from Friedberg". Er lud Claus Kurt Ilge, in seinen Mercedes zur Mitfahrt nach Friedberg ein.  Elvis feiert im Sportheim an der Hauptstraße in der Altstadt von Bad Nauheim seinen 25. Geburtstag, ca. 200 Leute waren zu diesem Anlass anwesend.

(Auch die Abschiedsparty, die Elvis wenige Tage vor seiner Rückkehr in die USA gab, wurde in diesem Sportheim gefeiert.)

13.  Januar bis 16. Januar 1960  ***

Der Karatelehrer Jürgen Seydel nimmt Elvis mit nach Paris zu einem Sonderunterricht beim Karatemeister Murakami Tetsuji.

Wir fuhren zusammen nach Paris und vereinbarten ein tägliches dreistündige Training im Dojo (Karate-Studio) Yoseikan von Meister Murakami, der dort Karate und Kendo Unterricht gab. Es wurde eine recht harte Woche.

Das Thermometer zeigte 6 bis 10 Grad unter Null, der Raum war ungeheizt, manche Fenster zerbrochen und notdürftig mit Pappe abgedichtet. Es gab weder Umkleideräume noch Duschen.

Tetsuji Murakami wurde am 31. März 1927 († 24. Januar 1987) in der japanischen Präfektur Shizuoka, einer Stadt am Meer, rund 250 km südlich von Tokio, geboren. Er begann sein Karate-Studium im Alter von 19 Jahren bei Meister Masaji Yamaguchi,  der Shotokan Karate Do lehrte. Er praktizierte außerdem Kendo, Aikido und mit Meister Minoru Mochizuki lai Do. Im November 1957 kam Tetsuji Murakami auf Einladung von Henry Plee erstmals nach Frankreich, um an der "France Martial Arts Academy" Karate zu lehren. Tetsuji Murakami war einer der ersten japanischen Meister, die nach Europa kamen, um Karate Do zu lehren. 1959 gründet er eine eigene Schule (Yoseikan) in Paris, wo er Karate, Aikido und Kendo lehrte.

Meister Murakami machte jedoch ein so unerbittlich hartes Training, das wir obwohl barfuss und im dünnen Gi (Karateanzug) die Kälte kaum wahrnahmen. Elvis nahm alles gelassen hin, den schäbigen Raum, die Kälte, das ermüdende Training, den Fußweg in den frühen Morgenstunden vom Hotel zum Dojo und zurück. Am Ende des Lehrgangs bat ich Meister Murakami um seine Beurteilung, Elvis sei so sagte er, ein ungewöhnlich ernsthafter und talentierter Schüler. Er habe den Leistungsstand eines 3 Kyu (Braungurt), wenn er noch ein bis zwei Monate trainiere.

Ich könne ihm bei der Rückkehr in die Staaten ohne Bedenken den braunen Gürtel geben. Das war ein hohes Lob des Meisters, denn er war als Lehrer und Prüfer äußerst kritisch und streng.

Ende 1960 schrieb Elvis mir voller Freude und Stolz, nun sei es soweit er habe den schwarzen Gurt.

20. Januar 1960

Elvis wird zum "Acting Sergeant" (Feldwebel auf  Zeit) befördert. Dies bringt zwar keine Solderhöhung, spricht aber für eine gute Beurteilung bei seinen militärischen Vorgesetzten.

25. Januar 1960

Das Wintermanöver "Operation Snowshield" beginnt und führt Elvis für 14 Tage unter anderem in den Schwarzwald bis hin zur Schweizer Grenze. Die Operation Snowshild fand neben Grafenwöhr auch auf einem Truppenübungsplatz bei Baumholder statt.

Während seiner Manöverzeit in Grafenwöhr fuhr Elvis dienstlich im Jeep, nach Hirschau wo er  das Gasthaus Goldenes Lamm besuchte in dem er auch fotografiert wurde, auch den Goldenen Hirsch besuchte Elvis sein weg führte ihn auch nach Vilseck nahe Grafenwöhr.

Der Journalist Sepp Anderl Müller erinnert sich: Der Tag, an dem Elvis kam war kalt, bitterkalt. Das Wintershild-Manöver hatte gerade begonnen. Erkannt hatten Elvis auf dem Hirschauer Marktplatz nur eine handvoll junger Leute. Elvis saß vor Sepp A. Müllers Haus in einem Armeejeep, umringt von Teenagern.

Hi hat er gesagt, I'm Elvis Presley. Müller bewies sofort Reportergespür, er schnappte sich seine Kamera und machte einen Film voll.

Weiden, Januar 1960

Neben Hirschau gibt es sicher noch weitere Orte, die Elvis während seiner Manöverzeit in Graf, besuchte. Leider sind nur wenige bekannt. Zu denen gehört auch Weiden, wo Elvis das Waldbierstüberl in der Pressatherstr. 165 besucht hat. Heute existiert das Waldbierstüberl nicht mehr. Die Besitzerin und ehemalige Wirtin, Frau Bischoff, erzählte mir, dass sie nach einem Schlaganfall ihres Mannes Ende der 60er Jahre das Waldbierstüberl in ein Wohnhaus umbauen lies.

Auf die Frage, ob Sie sich noch an Elvis Presleys Besuch erinnern könne sagte sie Oh ja das kann ich: Eines Tages kam Elvis in Begleitung einiger Kameraden mit einem Jeep vorgefahren. Er stieg aus kam herein und bestellte einen Kaffee. Weiter erzählte sie: Nach kurzer Zeit wusste die ganze Straße, dass Elvis Presley im Waldbierstüberl saß. Sie stürmten herein um Autogramme zu bekommen. Nach ca. 1/2 Stunde fuhr Elvis wieder ab. Das war das einzige Mal, das Elvis das Waldbierstüberl in Weiden besuchte. Aber Frau Bischoff wird diesen Tag wohl nie vergessen.

Amberg, Januar 1960

Elvis kommt während einer Erkundungsfahrt nach Amberg wo er auf dem Maxplatz (am Ende der Maxallee) sofort erkannt wird und Autogramme gibt.

Während seiner Freizeit in Grafenwöhr besuchte Elvis außerhalb der Kaserne gelegentlich die Micky Bar in der Vilsecker Str. 7 in Graf. In der Micky Bar soll heute noch das Klavier stehen auf dem Elvis während seiner Besuche spielte. Außerdem eine Couch auf der Elvis mit Großmutter Minnie Mae gesessen haben soll. Im Lauf der Jahrzehnte wechselt die Micky-Bar mehrmals den Besitzer, einmal brennt sie sogar aus, öffnet jedoch wieder neu,  1990 wurde die Micky Bar endgültig geschlossent. Aus dem Striptease-Lokal ist mittlerweile die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" geworden - eine in Amerika weit verbreitete Glaubensgemeinschaft der Mormonen.

Raimund Rodler, (71)  Sohn der damaligen Micky Bar, Betreiber erinnert sich wie folgt:

»Die Micky Bar in Grafenwöhr war weit über die Grenzen der Oberpfalz bekannt. Mein alter Herr kannte den Commander von Elvis gut. Kurz nachdem Presley in Deutschland angekommen war, wurde er im November 1958 schon zum Manöver auf den Truppenübungsplatz abkommandiert. Wir nahmen für diese Zeit seinen Vater auf. Wir hatten einen wunderbaren Wintergarten mit Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bar und allem Drum und Dran. Mein alter Herr ließ dann Elvis immer von einem Fahrer abholen und durch die Hintertür reinbringen. So konnten er und Vernon sich ungestört im Wintergarten treffen. Das lief alles sehr diskret. Sogar unser Personal, etwa 35 Leute, hatte keine Ahnung. Bis zum letzten Tag. Meine Mutter hatte Elvis wie immer Schnitzel gemacht. Plötzlich sagte er, wir sollen morgen die Leute zusammentrommeln. Aber niemand Fremdes! Und kein Tonband! Keine Fotos! Er kriege sonst Riesenärger mit seinem Management. ›Ich darf kein Konzert geben‹, sagte er. Nachmittags um halb vier haben wir die Türen abgesperrt. Unser Personal war völlig baff, als plötzlich Elvis am Flügel saß. Er spielte viele Countrysongs und eigene Stücke, ›Hound Dog‹ zum Beispiel. Zwei Stunden nahm er sich Zeit, bis ihn der Fahrer wieder nach Friedberg in die Ray Barracks brachte. Und weg war er. Er wollte wohl einfach auf seine Art Danke sagen, dass er und sein Vater bei uns so viel Ruhe fanden. Wenn jemand von diesem Auftritt gewusst hätte! Die hätten uns die Bude eingerannt.«

Als die Micky Bar in den 90er Jahren dicht macht, nimmt Rodler den Elvis-Flügel mit zu sich nach Hause. "Ich habe auch den Stuhl aufgehoben, auf dem er saß." Beides verstaubt seit gut 20 Jahren zwischen alten Flipperautomaten und anderem Gerümpel in Rodlers Garage. Unter einer Plastikplane gibt der Flügel ein trauriges Bild ab: Die ehemals weißen Tasten sind von Dreck und Schweiß braun gefärbt, die Saiten sind verstimmt, die Pedale abgeschraubt. Rodler denkt darüber nach, den Flügel zu restaurieren und einem Fan zu verkaufen.

( Heute befindet sich in der ehemaligen Micky Bar die: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. )

Innerhalb der Kaserne besuchte Elvis oft das Kasernenkino.

Ein ehemaliger Taxifahrer mit dem ich ins Gespräch kam erzählte mir, dass er sich noch gut erinnern könne an Elvis Presley. Seine Kollegen und er hatten Elvis und einige seiner Kameraden oft mit dem Taxi von der Kaserne in der Elvis untergebracht war zum 4 km entfernten Kino und zur Micky Bar gefahren (das Grafenwöhr Kasernengelände ist extrem weitläufig) .

Auch nach Hirschau ins Goldene Lamm ist Elvis mit dem Taxi gefahren worden. Der Taxifahrer erzählte weiter, Elvis hatte ihm ein Autogramm auf sein Taxidach geschrieben. Leider sei er nicht mehr im Besitz des Fahrzeuges.

11. Februar 1960

Elvis wird in Grafenwöhr zum "Sergeant" befördert. Sein Gehalt erreicht nun die stolze Höhe von 122,31 US-Dollar pro Monat.

14. Februar 1960

Den dritten Ärmelstreifen darf Elvis tragen, seit er zum Sergeanten befördert wurde. Er führt jetzt eine Jepp-Aufklärungsgruppe. Mehr Sold bekommt er allerdings erst, wenn in seiner Einheit eine Unteroffiziers-Planstelle frei wird. Das wird kaum mehr vor seiner Entlassung sein.

27. Februar 1960

Der Abschied des Presley-Clans von der Wetterau wird vorbereitet. Vernon Presley nutzt die Fastnachtszeit und nimmt an einem Maskenball im Kurhaus zu Bad Nauheim teil. Inzwischen nimmt ein Möbelwagen das Mobiliar aus der Goethestraße 14 auf. Es sind eine Unmenge von Gepäckstücken zu verladen, allein über 3000 Schallplatten und mehr als ein Dutzend Seesäcke mit der Fanpost.

1. März 1960

Elvis gibt in den Ray Barracks seine letzte Pressekonferenz. Zahlreiche Reporter, seine Vorgesetzten und viele Freunde sind zugegen, als Elvis der Wetterau »Lebewohl« sagt. In der Atmosphäre des Abschiednehmens fließen viele Tränen. Elvis verspricht, einmal wiederzukommen.

2. März 1960

Flughafen Rhein-Main. Elvis fliegt vom Frankfurter Militärflughafen mit 79 GIs zurück in die Staaten. Unter den  Freunden und Fans, die bei seinem Abschied dabei sind, befindet sich auch seine große Liebe, die 16jährige "Priscilla Beaulieu", seine spätere Frau. Sie musste in Deutschland zurückbleiben.

 

 
 
 

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